,, Alleluja, Alleluja, wir wünschen eich viel Glück im neuen Jahr, lang zu lewen, glückselig zu sterwen und den Himmel zu erwen“. Alter Merziger Neujahrssprüchlein
Saarbrücker Zeitung 1975. Josef Haben
Die Silvesternacht spielte im vergangenen Jahrhundert im Brauchtum unserer Heimat eine bedeutende Rolle. Das Knallen und Lärmen in der Nacht und das in einzelnen Dörfern noch gebräuchliche Glockenläuten war ursprünglich als Abwehr der dämonischen Geister von der Neubildung des Lebens im folgenden Jahre zu deuten.
In der Silvesternacht haben früher die Merziger Gastwirte um Mitternacht (hier und da geschieht es noch heute) die Stammgäste frei bewirtet. In der ältesten namentlich noch bekannten Wirtschaft „Zur blauen Hand“, die in der Trierer Straße gegenüber dem „Trierischen Hof“ lag, präsentierte die Wirtin ihren Gästen saure Saarfische in piekfeiner Sauce. Die Prominenz verkehrte damals im alten Kasino, dem heutigen, Trierischen Hof“.
Im„Ratskeller“ gegenüber dem Stadthaus gab es zu Silvester des öfteren Kartoffelsalat und warme Würstchen. Der letzte Bester, Theo Schwindling, hatte den Ratskeller von „Herzen Flora“ erworben die vordem in dem alten Falken bach’schen Hause (später Becker-Seiler) eine Wirtschaft betrieb.
Die Silvesternacht bedeutete für den Nachtwächter der Stadt, zuletzt den „alten Kleber“, zugleich Freude und Qual.
Der alte Nachtwächter war beliebt. Steckte er auf einem Rundgang die Nase in die Gottang’sche Wirtschaft, die dem imposanten Geschäftshaus an der Ecke Post- und Friedrichsstraße Platz gemacht hat, so strömte ihm nicht nur das Aroma des Qualmes echten Merziger Fuchstabaks entgegen, sondern da nötigte ihn der Wirt, noch ein Pörtzchen Viez zu trinken und von dem neuen Geselchten“ zu kosten. Für den Hüter der nächtlichen Ordnung wiederholte sich in der Silvesternacht dieser Vorgang so oft, wie es Gastwirtschaften in der Stadt gab – oder so- lange der Nachtwächter die ihm gereichten Getränke und Speisen überhaupt verkraften konnte. Das Hotel Hoffmann (später Hotel Reinert) lag in der Poststraße, wo sich heute das Schuhhaus Seiwert befindet, das Gasthaus zum Bietzerberg, wo Friseurmeister Deutsch zuletzt seinen Salon hatte.
Nach Aussagen des im hohen Alter verstorbenen J. B. Becker-Krapp war eine der schönsten Gastwirtschaften im alten Merzig das Gathaus Herlet in der Wagnerstraße, eine Bäckerei und Gastwirtschaft mit echt bäuerlicher Romantik. Sie war die Stammkneipe des Allerweltsonkels Nikolaus Hartfuß. Hier spielte er Billard, rauchte seine dicke Zigarre und trank sein Gläschen Wein, Merziger Daufels oder anderen Saarwein.
Die Gastwirtschaft Herlet ging später in den der Familie Heisel über. Wegen eines prächtigen in Stein gehauenen Adlers über dem Haupteingang erhielt das Gasthaus im Laufe der Jahre den Namen „Reichsadler“. Das Haus Neuerburg, die spätere Polo-Zigarettenfabrik (heute Lagerhaus der Firma Regler) hat dann das Anwesen erworben und für ihre Zwecke umgestaltet.
Von den zahlreichen Gastwirtschaften am Dienstagsmarkt servierte „Fliesslings Hannes“ zu Silvester echte Merziger Leberklöße, Kartoffelpüree und Sauerkraut. Ein gutes Glas Merziger Daufels und ein bekömmlicher Trester wurden gereicht in den Wirtschaften Maringer (sie wurde mit dem alten Häuserblock in der unteren Propsteistraße vor 1910 abgebrochen und etwa 50 m östlich als „Gasthaus zur Sonne“ wiedererrichtet); Fox (später Schneidermeisterein Schmitt), Magar (Feinkostgeschäft Müller), und Barthel in der Torstraße etwa gegenüber Bannweg. Die Großväter erwähnten noch silvesterliches Brauchtum in den Wirtschaften von „Kolleks Matz“, wo der Anstreichermeister Kiefer später sein Geschäft eröffnete, und Teills Nekla“ (heute Süßwaren Zimmer) in der Poststraße.
Im Gasthaus zur Hochwaldbahn“ Frisch beenden wir unseren Silvester- bummel. Den vergessenen Gastwirten, erst recht aber den heutigen, sagen wir abschließend das alte Merziger Neujahrs- sprüchlein, das da lautet:,, Alleluja, Alleluja, wir wünschen eich viel Glück im neuen Jahr, lang zu lewen, glückselig zu sterwen und den Himmel zu erwen“.

