Palmsonntag und Karwoche waren früher viel mehr als nur kirchliche Feiertage. Sie gehörten ganz selbstverständlich zum Leben der Menschen in Haus, Hof, Stall und Feld. Schon am Palmsonntag wurden die Buchsbaumzweige in die Kirche getragen, gesegnet und anschließend mit nach Hause genommen. Dort steckte man sie hinter Kruzifix und Heiligenbilder, an Türen, Spiegel und Weihwasserbecken, in Stall und Speicher und trug sie sogar auf die Äcker, wo sie Schutz und Segen für Mensch, Vieh und Ernte bringen sollten. Für die Kinder war der Palmsonntag zudem ein besonderer Tag, weil sie ihre Palmsträuße mit Stolz zur Kirche trugen und das Palmstreuen im Gottesdienst als etwas Feierliches und Freudiges erlebten.
Mit der Karwoche wurde die Stimmung ernster. Sie war geprägt vom Gedenken an Leiden und Tod Christi und von vielen Bräuchen, in denen sich kirchliche Feier und Volksglaube miteinander verbanden. Am Gründonnerstag schwiegen nach dem Gloria die Glocken bis Ostern, und man sagte im Volk, sie seien nach Rom geflogen. Am Karfreitag bestimmten Trauer, Kreuzwegandachten und Prozessionen das Bild, während statt der Glocken Klappern und Rätschen zu hören waren. Der Karsamstag führte mit Feuer- und Wasserweihe schon zur Osterfreude hinüber; das geweihte Wasser wurde mit nach Hause genommen und im Jahreslauf für Segnungen aufbewahrt.
Der geweihte Palm blieb aber nicht auf den Palmsonntag beschränkt. Er begleitete die Menschen oft durch das ganze Jahr. Bei Gewittern legte man einen Zweig ins Feuer, in schweren Stunden griff man ebenso darauf zurück wie bei Sterben und Begräbnis. Teile der geweihten Palme werden am Kruzifix, am |Spiegel oder an Heiligenbildern angebracht, andere im Stall, im Speicher und Rauchfang. Dort schützen sie vor Gewitter, Hagel und Krankheit. In den Acker gesteckt, sind sie gut für das Gedeihen der Früchte.
Der früher beliebte Einzug des Heilands auf dem Esel wird nicht mehr dargestellt. Palm Esel war schon in den 1960zigern ein Ulkname für diejenigen, welche am Palmsonntag zuletzt aufstehe , mit ihrer Palme zuletzt in die Kirche kommen und sonst säumig sind.
Daran erkennt man wie tief solche kirchlichen Feste und Bräuche früher im Alltag der Menschen verankert waren. Es ging dabei nicht nur um religiöse Feiern im engeren Sinn, sondern um lebendige Traditionen, die Glauben, Gemeinschaft, Erinnerung und das tägliche Leben miteinander verbanden. Viele dieser Sitten prägten den Jahreslauf, gaben Orientierung und schufen ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit. So wird deutlich, welchen festen Platz Brauchtum und religiöse Praxis einst im Leben vieler Familien und Dörfer hatten.
Quellen : Texte Maria Cronn, Dr. Anton Jacob, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens …
#Karfreitag #Ostern
#Karfreitag #Ostern

Views: 1
