Walpurgisnacht & Gundermann – alter Brauch


Die Walpurgisnacht zum 1. Mai ist bei uns ja seit jeher mehr als nur „Hexennacht“. Dahinter steckt jede Menge alter Volksglaube – und mittendrin eine Pflanze, die manche von euch kennen: der Gundermann (Gundelrebe). Bei uns dieses Jahr im Garten überall zu finden.
Früher hat man dem Kraut ziemlich starke Kräfte zugeschrieben. In der Nacht zum 1. Mai wurde Gundermann geschnitten, mit Salz und Hafer vermischt und dem Vieh gefüttert. Das sollte Krankheiten fernhalten und vor „bösem Zauber“ schützen. Klingt heute vielleicht kurios, war aber fester Bestandteil im bäuerlichen Alltag.
Noch spannender ist ein anderer Brauch: Wer sich an Walpurgis einen Kranz aus Gundermann auf den Kopf gesetzt hat und damit in die Kirche ging, sollte angeblich Hexen erkennen können. Im Volksglauben liefen die dann mit Milcheimern auf dem Kopf herum oder ritten auf Ofengabeln durch die Gegend.
Der Gundermann galt also als richtiges „Zauberkraut“ – Schutzpflanze, Heilpflanze und manchmal auch Teil von Räucherungen. Solche Bräuche zeigen gut, wie eng Natur, Glaube und Alltag früher miteinander verbunden waren.
Was man aber auch sagen muss: Dass schon die Germanen den Gundermann genau so benutzt haben, ist nicht wirklich belegt. Sicher nachweisbar ist die Pflanze erst bei den Römern (z. B. bei Plinius) und später im Mittelalter bei Klostermedizinern wie Hildegard von Bingen. Vieles, was wir heute darüber hören, stammt eher aus späterem Volksglauben oder dem Neuheidentum die vieles auf ihre Art interpretiert haben.
Auch genannt: Gundelrebe, Frauenrebe, Soldatenpetersilie, Donnerrebe, Guck durch den Zaun, Erdefeu , Erd‑Efeu / Erdefeu und weitere meist regional
Donnerrebe / Donnerkraut wird hier bei uns nicht verwendet. Als blaue Blume soll der Gundermann dem Wettergott Donar zugeordnet gewesen sein.

Weitere magische Wirkung:
Wer an Neujahr einen Strauß G. mit in die Kirche nimmt, erhält die Gabe, zu sehen, wer aus der Gemeinde stirbt.
(aus „Albertus Magnus Büchlein“):Wann einer Kuh das Euter behext ist,so soll man drei Kränzlein von Gundelreben winden und einen jeden Strich dreimal hinten durch die Füße melken;danach der Kuh die drei Kränzlein zu essen geben und dazu folgende Worte sprechen:
Kuh, da geb ich dir die Gundelreben
Daß du mir die Milch wollst wiedergeben
Wenn die Kühe im Frühling zum erstenmal ausgetrieben werden, soll man sie durch einen Kranz von G. melken oder ihnen G. zu fressen geben, die Hexen können dann den Kühen die Milch nicht rauben.

Gegen Augenkrankheit näht man G.blätter in ein leinenes Tüchlein, wobei aber kein „Knopf“ gemacht werden darf und die ersten drei Stiche unter Anrufung der drei höchsten Namen getan werden müssen. Dieses Bündelchen hängt man an einer Schnur um den Hals und achtet dabei darauf, daß es auf die Herzgrube zu liegen kommt. Falls das Mittel nach neun Tagen noch nicht gewirkt hat, muß es erneuert werden

Quellen unter anderem: Handworterbuch_des_deutschen_Aberglauben, Wikipedia,
Plinius der Ältere – Naturalis Historia (1. Jh.)
Er erwähnt hedera terrestris 😊 Erd‑Efeu = Gundermann) als Heilpflanze.
Zitat (NH 25, 108):„hedera terrestris… ad ulcera utilissima.“ („Der Erd‑Efeu ist sehr nützlich bei Geschwüren.“)
Becherer – Deutsches Pflanzennamenbuch (1960)

       

Public Domain . Mädchen mit Kirschen (ca. 1491–95): Porträt einer jungen Frau mit einem Kranz aus Gundermann
Leonhart Fuchs, New Kreüterbuch 16. Jh
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