Das Jagdschlösschen „de Galhau“ in Merten

Ein Auszug aus dem Werk „Merten – ein Dorf an der Grenze“ (1965) von Dora Dimmel beschreibt die einstige Pracht des Anwesens: „Kurz vor dem Ortseingang macht die Straße eine scharfe Kehre. Von dort aus führte eine herrschaftliche Auffahrtsallee zum Jagdschloss der Familie de Galhau von Beaumarais.“
Während das Schloss das Jahr über von Franz Marchand aus Beaumarais als Schlosshüter und Jagdaufseher verwaltet wurde, kündigten Besuche der Schlossherren einen besonderen Rhythmus an: Der Kammerdiener Kasimir reiste stets einen Tag voraus, um mit bedächtiger Sorgfalt für das wohnliche Behagen seiner Herren zu sorgen.“
Historische Spuren und Ursprung
Heutzutage sind bauliche Überreste des Schlosses nicht mehr vorhanden. Lediglich die Toponymie des Ortes, wie der Ortsteil „Le Château“ sowie die Straßennamen Rue du Château und Place du Château, erinnert an die einstige Existenz.
Obwohl die genauen Daten zur Erbauung und die Identität der ursprünglichen Bauherren im Dunkeln liegen, ist das Gebäude bereits auf den Karten von Naudin aus den Jahren 1728 bis 1739 verzeichnet. Die Annahme, die Familie de Galhau sei der Erbauer gewesen, wird durch die Besitzgeschichte relativiert: Simon-Adolphe-Gabriel de Galhau (1777–1856) erwarb das Schloss erst vor dem Jahr 1829.
Die tatsächlichen Erbauer sind vermutlich im Umfeld der Familie Lasalle de Louisenthal zu suchen. Georg Theodor Lasalle, Pächter der Dillinger Hütte, erwarb 1746 das Hofgut Louisenthal und bewohnte als Herr von Merten, Retrange, Odenhoven und Berweiler zeitweise auch das Jagdschloss in Merten. Ein Aufenthalt dort ist für das Jahr 1787 belegt.
Schriftliche Aufzeichnungen über Schloss Merten, damals nach einem Weiler in Merten als Schloss Hetrange bekannt, datieren um 1721. Seine Fläche betrug etwa 6 Hektar; heute umfasst es die Schlossanlage, das Stadion und die Schule.
Familiäre Verflechtungen und Schicksale
Das Schicksal des Schlosses war eng mit persönlichen Biografien verknüpft. Julie von Galhau,Tochter von Jean-Henry-Christope de Galhau und Barbara Schmitt, verbrachte hier ihre Kindheit unter der strengen Obhut ihres Onkels Lasalle und ihrer Tante Barbara Schmitt. Berichte schildern ein eher freudloses Aufwachsen, das nur durch Besuche des Barons Richard von Überherrn – dem einstigen Leibarzt Ludwigs XV. – sowie gelegentliche Bälle in Saarlouis aufgelockert wurde
In den Wirren der Koalitionskriege ab 1792 diente das Schloss zudem als Zufluchtsort für die Töchter der Familie de Galhau aus Fremersdorf, bevor sie unter dramatischen Umständen auf einem Strohfuhrwerk zurückgeholt wurden.
Der Niedergang
Das Ende des Anwesens wurde durch die geopolitischen Verwerfungen am Ende des Ersten Weltkriegs eingeleitet. Im November 1918 fiel das Gebäude im Zuge von Rückzugsbewegungen irregulärer tschechischer Truppenverbände einem Brand zum Opfer. Die Entscheidung der Erben gegen eine Restitution und für eine Veräußerung des Areals an den Creutzwalder Unternehmer Baumstummler markiert den endgültigen Wendepunkt in der Nutzungsgeschichte. In einem veränderten ökonomischen Umfeld wurde die Liquidation des ruinösen Bestandes als vorteilhafter gegenüber einer kostspieligen Instandhaltung bewertet.
Trotz des einsetzenden Verfalls blieb die einstige Eleganz noch über Jahrzehnte in den Ruinen erkennbar. Noch 1945 zeugten dekorative Kartuschen an den Fensterstürzen und schmiedeeiserne Balustraden von der zierlichen Architektur des Schlösschens. Ein verwilderter Park mit buchsbaumgesäumten Wegen und einer natürlichen Quelle bewahrte bis zuletzt die melancholische Stille des verlassenen Ortes
Einordnung einer Verkaufsanzeige
„Bolchen, 21. April. — Das bei Merten liegende, sogenannte Mertener Schloß der Komtesse Madame de Coetlosquet ging zum Preise von 64 000 M. in den Besitz des Holzhändlers und Restaurateurs Baumstämmler aus Kreuzwald über, der dasselbe als Hofgut zu verwenden gedenkt.“
Ein interessantes Detail liefert diese Anzeige im Elsässer Volksboten vom 22. April 1909. Demnach ging das „Mertener Schloss“ bereits zu diesem Zeitpunkt für 64.000 Mark von der Komtesse Madame de Coëtlosquet in den Besitz des Holzhändlers Baumstummler über, der eine landwirtschaftliche Nutzung als Hofgut anstrebte. Dies wirft Fragen bezüglich der exakten Besitzabfolge vor dem Brand von 1918 auf.

Quellen unter anderem:
„Merten ein Dorf an der Grenze“ 1965 von Dora Dimmel:
Jahrbuch der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde 1889
Guido Müller – Die Famillien Villeroy und de Galhau im Saarland 1991
Famillie de Coëtlosquet
(https://www.ars-laquenexy.fr/lhistoire-du-village/le-chateau-de-mercyson-histoire-et-son-devenir/la-famille-du-coetlosquet)
(https://www.heraldrysinstitute.com/lang/de/cognomi/Coetlosquet/idc/687095/)
Anzeige im Elsässer Volksboten vom 22. April 1909
Zu Dora Dimmel:
(https://lokalesbuendnis.saarlouis.de/buendnisfamilie/projekte/frauen-im-saarlouiser-familienbuendnis/hall-of-fame-frauen-in-saarlouis-gesammelte-biografien/19-jahrhundert-1800-1899/biographie-zu-dora-dimel/)

Geschichte des Kreises Saarlouis Nießen, Heinrich1893 – 1897


um 1850

1763-1787
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