Nacherzählt nach Dr. Anton Jacob, Mondorf (Merziger Volkszeitung, 12./13. August 1961)
In einer stillen Ecke unserer alten Scheune hängt noch immer ein merkwürdiges Gerät – ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit, das selbst dem verheerenden Feuer des Kriegsjahres 1944 entgangen ist. Dieses Relikt, ein Dreschflegel, ruft in mir lebhafte Erinnerungen wach an jene Tage, in denen in den Dörfern des Saargaus – vor allem während regennasser Sommerperioden – ein ganz besonderes Klangbild das Dorfleben prägte: das dumpf-rhythmische, helle Klopfen der Dreschflegel. Diese eigenartige Musik gehörte einst zum akustischen Alltag auf dem Land, so selbstverständlich wie das Hämmern des Schmieds, das Klirren der Dengelhämmer oder das Glockengeläut der Kühe, die morgens zur Weide zogen.
In meiner Jugendzeit – das liegt nun viele Jahrzehnte zurück – war das Dreschen mit Maschinen bereits weit verbreitet. Fast jeder Landwirt verfügte über eine eigene Dreschmaschine in der Scheune, betrieben über ein Göpelwerk mit Pferdekraft. Dennoch behielt der Dreschflegel eine gewisse Bedeutung, insbesondere beim Bearbeiten des Roggens, den man damals einfach „Kuur“ nannte. Das Stroh des Roggens musste nämlich besonders weich geschlagen werden, denn daraus fertigte man später die Seile, mit denen man die Garben von Weizen, Hafer und Gerste bündelte.
Im Saargau, wo Roggen nur in kleinen Mengen angebaut wurde – meist ein oder zwei Parzellen –, war es üblich, diesen vor der Weizenernte einzubringen. Traf dann ein Regentag die Erntezeit und ruhte die Arbeit auf dem Feld, nutzte man die Gelegenheit, um in der Tenne zu dreschen. Mein Vater schickte mich in solchen Momenten los, um unsere Helfer zu holen: den „Öhmchen Pitter“ und den Schuster Mechel. Sie waren unsere verlässlichen Nothelfer bei solchen Arbeiten. Während Vater in der Zwischenzeit die Dreschflegel – bei uns „Fleilen“ genannt – zusammensuchte, machten sich die Männer auf den Weg zu uns.
Bevor der Morgenkaffee auf dem Tisch stand, kreiste zur ersten Stärkung schon der kräftige „Quetsch“ – ein herzhafter Schnaps. Ich als Jüngster der Runde hatte die Aufgabe, auf die „Dääß“, also die Bühne über der Tenne, zu steigen und von dort die Korngarben vom „Tessel“, dem Garbenstapel, nach unten zu werfen. Dort wurden sie von den Dreschern entgegengenommen und fachkundig zu einem „Dreschbett“ von etwa zwölf bis fünfzehn Garben ausgebreitet.
Jeder der Männer nahm sich dann seinen Fleilen, bestehend aus einem langen, glatten Holzstock, an dessen Ende über einen Lederriemen ein massiver Knüppel aus robustem Zwetschgenholz hing. In zwei Gruppen aufgeteilt, standen wir einander gegenüber. Der Vater eröffnete den Takt mit dem ersten Schlag, dann folgten die anderen reihum. Es war wichtig, dass die Dreschbewegungen exakt im Rhythmus ausgeführt wurden – niemals durften zwei Knüppel gleichzeitig auf den Boden treffen, denn das erzeugte einen unangenehmen Missklang. Kam es gar zu einem Zusammenstoß der Knüppel – was beim Hin- und Herschreiten über das Dreschbett durchaus einmal passieren konnte – dann war ein ordentliches Donnerwetter vorprogrammiert.
Das Dreschbett wurde zweimal der Länge nach bearbeitet, dann wendete man es und bearbeitete die andere Seite ebenso sorgfältig. Danach waren die Ähren leer und das Stroh weichgeklopft. Nun wurde es von geübten Händen zu langen, glatten Bündeln, sogenannten „Bauschen“, zusammengebunden.
Dreschen war eine der anstrengendsten Tätigkeiten der Sommerarbeit, und so gab es zum Frühstück entsprechend kräftige Mahlzeiten. Zu Brot und weißem Käse kamen Schinken, Eier und andere herzhafte Beilagen. Nicht umsonst sagt man bis heute von jemandem mit großem Appetit: „Er isst wie ein Scheunendrescher!“
Je nach Anzahl der Mitwirkenden – ob im Vierer-, Fünfer- oder gar Sechsertakt – konnten bis zum Mittagessen bis zu acht Dreschbetten bearbeitet werden. Danach türmten sich auf der Tenne bereits etliche „Bauschen“, und die Frauen begannen mit der Herstellung der Strohseile. Auch Kinder und ältere Menschen, die nicht mehr für die schwere Feldarbeit taugten, fanden hier eine passende Beschäftigung. In der Erntezeit gab es für alle Hände eine Aufgabe.
Doch das Dreschen war nicht nur mühsam – es war auch gesund. Es kräftigte den Körper, brachte den Kreislauf in Schwung. Ich erinnere mich an einen Bauern, der sagte: „Wenn’s mir schlecht geht, leg ich ein Bett an und dresch drauflos – das bringt mich wieder in Schwung!“
Unsere heutige Jugend kennt diese Arbeit kaum noch. Der Dreschflegel ist zu einem Museumsstück geworden – überflüssig geworden durch Mähdrescher und Bindemaschinen, die kein Strohseil mehr benötigen. Als vor einiger Zeit ein Lehrer in einer Dorfschule die Kinder fragte, was ein Dreschflegel sei, wussten gerade einmal zwei Schüler überhaupt eine Antwort.
Mit dem Verschwinden der Arbeit verschwindet auch das Wort – und mit ihm ein Stück unserer Mundart, unserer ländlichen Kultur. Vielleicht ist es ein schwacher Trost, dass die „zweibeinigen Flegel“ – im übertragenen Sinne – wohl nicht so schnell aussterben werden.
