Kreuzbergwanderung – „DIE ALTEN WEGE UND PFADE SIND EIN UNGESCHLIFFENES JUWEL“

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„DIE ALTEN WEGE UND PFADE SIND EIN UNGESCHLIFFENES JUWEL“
Erste historische Wanderung des Vereins für Heimatkunde e.V. war ein voller Erfolg
Am Samstag, dem 23. September, veranstaltete der Verein für Heimatkunde Merzig e.V. seine erste historische Wanderung. Das Ziel war der Merziger Kreuzberg mit seinen alten Wegen und seiner vielfältigen Geschichte. Knapp 30 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Unter der fachkundigen Führung von Vereinsmitglied Lothar Bauer aus Silwingen ging es zunächst von der 1958 errichteten Kreuzbergschule hinauf auf die „Blätsch“ (auch Bleetsch oder Plädsch) genannt, einem alten Pfad am Fuße des Kreuzbergs, der früher bis Brotdorf reichte.
Anschließend ging es über die uralten Stufen des „Zappenpädchens“ hoch auf den Kreuzberg. Die Teilnehmer mussten leider feststellen, dass der Pflege- und Erhaltungszustand von Blätsch und Zappenpädchen mangelhaft ist. An einigen Stellen, wie zwischen der Fellenbergstraße und dem jüdischen Friedhof sowie im weiteren Verlauf bis zur Straße am Kreuzberg, ist die Blätsch so zugewachsen, dass man nur noch gebückt vorankommt und auf dem Zappenpädchen fehlt so manche Stufe. Auch empfiehlt sich wegen der Dornen der Brombeerhecken lange Kleidung. An einigen Stellen ist der Weg durch herumliegende Mauersteine beeinträchtig, die sich aus den uralten Wingertmauern lösen.
Ungenutztes Potenzial im städtischen Raum
Der Verein für Heimatkunde Merzig e.V. bedauert den Zustand dieses derzeit brachliegenden Merziger Kleinods. So wie die Gassen vom Seffersbach zur Poststraße der Fußgängerzone einen ganz besonderen Charme verleihen, so böten die Blätsch und das Zappenpädchen als urige Verbindungswege zwischen Josefskapelle, jüdischem Friedhof, Freibad bzw. Fellenberg-mühle und Kreuzbergkapelle bzw. Garten der Sinne, ein bislang ungenutztes Potenzial als „Traumschleife im städtischen Raum“. Der Verein setzte sich daher dafür ein, dass eben dieses Potenzial nicht ungenutzt bleibt und ist bereit, für eine Beschilderung des Weges die entsprechenden Informationen zur Verfügung zu stellen.
Auf der Kreuzbergkapelle genossen die Teilnehmer ein Blick über die Stadt und das Saartal und erhielten von Lothar Bauer viele Informationen zur Geschichte des Wein- und Obstanbaus in den Hängen des Kreuzbergs, zur Entstehung der Kapelle und der Wegekreuze sowie zum Relief „Die sieben Schmerzen der Gottesmutter“. Während die Teilnehmer der Wanderung noch ihre Mühe hatte, das Gedenkkreuz gegenüber der Kapelle am Eller Weg zu finden, so wurde es wenige später durch Günther Simon wieder freigeschnitten. Er hatte das wenige bekannte Kreuz, welches in den 1920er Jahren vom Merziger Bäckermeister August Holl aufgestellt wurde, 1983 wiederentdeckt und gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt und Angehörigen der Bundeswehr 2013 restauriert.
Ein fast vergessene Parkanlage weiß zu überraschen
Am Ende der Kapellenstraße erhielt die Wandergruppe von Martin Lang, dem Vorsitzenden des Vereins für Heimatkunde Merzig e.V., einen Kurzvortrag zur Festungsbau am Kreuzberg und seiner militärischen Bedeutung im Gesamtkontext des ehemaligen Westwalls. Anschließend wurde der sogenannte „Fellenberg-Hain“ besichtigt, eine ehemalige Parkanlage, die im 19. Jahrhundert durch Wilhelm Tell von Fellenberg angelegt wurde. Das parallel zur Kapellenstraße verlaufende Wegstück war den meisten Teilnehmern völlig unbekannt. Zusammen mit der sogenannten „Fellenberghöhle“ bildet es jedoch ein ganz besonderes Highlight am Merziger Kreuzberg!
Die letzte Station der Wanderung bildete der jüdische Friedhof. Dort fiel den Teilnehmern vor allem der von unberechtigt eingedrungenen Personen hinterlassene Müll sowie der unschöne Bewuchs des Hauptwegs ins Auge. Obgleich die Stadt Merzig auf dem Friedhof natürlich mehrmals jährlich mäht, waren sich die Teilnehmern und Vereinsmitglieder einig, dass ein kleines bisschen mehr Pflege der Wege den Gesamteindruck des Friedhofs verbessern könnte. Die geplante Begehung der sogenannten Servitut-Treppe und die Besichtigung des dortigen Bock-Denkmals musste leider ausfallen – zu überwuchert war das Gelände dort.
Fazit: Zugabe erwünscht
Am Ende waren sich alle Teilnehmer einig: der Merziger Kreuzberg ist ein geschichtsträchtiger Ort. Er bietet viele interessante Stationen, für Einheimische sowie Touristen, und die alten Wege und Pfade sind derzeit ein ungeschliffenes Juwel. Eine baldige Wiederholung der Wanderung, mit dem Schwerpunkt Westwall, wurde ebenfalls gewünscht.
Die nächste Veranstaltung des Vereins für Heimatkunde Merzig e.V. wird am 4. November stattfinden. Dann führt der Weiskircher Hobbyfotograf und Autor Stefan Haas über den Merziger Propsteifriedhof, dem er auch sein nächstes Buch widmen wird. Neben geschichtsträchtigen Grabstätten und der historischen Bausubstanz des knapp 150 Jahren alten Friedhofs möchte Haas gemeinsam mit den Teilnehmern über die Bedeutung von Grabsteinsymbolen sprechen. Anmeldungen sind in Kürze möglich unter: www.heimatkunde-merzig.de
Text und Fotos: Stefan Haas

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