Henri HIEGEL BIBLIOGRAPHIE DU FOLKLORE MOSELLAN 1961.

Einblicke in lothringisches Brauchtum Region Sierck – „Lehenausrufen“
„Während der darauffolgenden Fastenzeit dürfen weder Feierlichkeiten noch Hochzeiten stattfinden.
Am ersten Sonntag sind jedoch die dônages, die fascenottes oder die valentinages (Bräuche zur Partnerwahl) noch gestattet.
Dieser Sonntag wird in der Region Sierck als Lehnensonntag, Lehnchensonntag oder Baiersonntag, das heißt ‚Sonntag der Bures‘, bezeichnet.
Während auf einem Scheiterhaufen eine Puppe namens Baier oder Bure verbrannt wird, praktiziert man das pairage –
also das Bilden von Paaren. In Holling-Alzing und Kemplich wurden noch um 1925 junge Männer, die sich auf einer Anhöhe befanden,
durch öffentliches Ausrufen mit jungen Mädchen auf einer anderen Anhöhe zusammengeführt. Danach tanzt man und wirft brennende Scheiben, woher auch der Name Scheibensonntag rührt.
Diese Paarbildung führt manchmal zu echten Eheschließungen, doch oft werden auch ungleiche Paare oder Personen mit großem Altersunterschied scherzhaft miteinander verbunden.“

Es ist interessant zu sehen, wie sich das „Lehnenausrufen“ hier mit dem Scheibenwerfen und dem Baier-Verbrennen (ähnlich dem „Hopp-Stock“ oder dem Winteraustreiben) vermischt. Diese Form der rituellen Partnerzuweisung war im Dreiländereck tief verwurzelt.

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