Die „Sage vom Butterborn/Mutterborn“.
Bemerkenswert ist, dass die Waderner Überlieferung vom Butterborn, der nach der Sage ursprünglich „Mutterborn“ geheißen haben soll, mit der Flucht französischer Reformierter nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Oktober 1685 verbunden wird. Viele Hugenotten suchten damals außerhalb Frankreichs Zuflucht.
Bemerkenswert ist, dass die Waderner Überlieferung vom Butterborn, der nach der Sage ursprünglich „Mutterborn“ geheißen haben soll, mit der Flucht französischer Reformierter nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Oktober 1685 verbunden wird. Viele Hugenotten suchten damals außerhalb Frankreichs Zuflucht.
Nach der 1958 veröffentlichten Waderner Fassung (MVZ 1958 3.12 von Carl Wolff ) fanden solche „Réfugiés“ in der Herrschaft Dagstuhl Aufnahme. Die reformationsfreundliche Haltung der Herren von Fleckenstein stand dabei der geistlichen Zuständigkeit des Bischofs von Trier gegenüber. Die zugewanderten Reformierten seien in ihrem öffentlichen Leben eingeschränkt gewesen; als Kennzeichen nennt der Artikel blau gestrichene Fensterbrüstungen — daher „die Blauen“ — und einen Kelch an der Haustür.
Dieser Kelch war offenbar nicht nur ein Sagenmotiv. Der Zeitungsartikel zeigte 1958 ein damals noch bestehendes Haus in der Morscholzer Straße 1 mit einem kelchartigen Zeichen am Eingang. Das Gebäude existiert heute nicht mehr. Das Foto beweist zwar nicht direkt eine hugenottische Herkunft des Hauses, belegt aber die Bindung der Überlieferung an ein konkretes Gebäude und ein tatsächlich sichtbares Zeichen.
In der Sage kommt eine fremde Frau mit ihrem Kind nach Wadern und bittet vergeblich um Hilfe. Weil sie nicht das „Ave Maria“ spricht, wird sie in keinem Haus aufgenommen. Erst am letzten Haus erkennt sie Licht, einen Kelch und französischen geistlichen Gesang. Am nächsten Tag findet man sie tot an einer Quelle am alten Weg nach Morscholz; das Kind lebt noch in ihren erstarrten Armen.
Die Erzählung ist damit zugleich Namenssage und Erinnerung an versagte Hilfe gegenüber einer Fremden und Glaubensflüchtigen. Der Artikel erklärt „Butterborn“ als eine aus Scham gebrauchte Bezeichnung: Die Waderner hätten den Namen „Mutterborn“ wegen des unliebsamen Vorfalls gemieden.
Dem steht Lohmeyers positive Mutterborn-Sage gegenüber. Dort werden Mutter und krankes Kind nach einem Gebet zur Mutter Gottes durch eine wundersame Quelle gerettet. Beide Fassungen erklären denselben Ort, aber gegensätzlich: Die eine erzählt von Ausgrenzung, Tod und lokaler Schuld, die andere von Marienhilfe, Rettung und Heilung.
Da Maecklers älteres Buch (Erinnerungen an Wadern. Seinen lieben Verwandten der Familie Ludwig in Antwerpen in innigster Freundschaft und Anhänglichkeit gewidmet. 1881) bereits den Titel „Der Butterborn“ nennt, bleibt die zeitliche Reihenfolge offen. Möglich ist, dass „Butterborn“ die ältere Form war und die Mutterborn-Sage eine spätere positive Umdeutung darstellt. Ebenso können beide Namen schon früh nebeneinander bestanden haben. Entscheidend wäre der Artikel „Butterborn“ bei Maeckler.

KI rekonstruiert

Foto aus SVZ Artikel
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