Die Anfänge von Villeroy & Boch: Von der lothringischen Kalkerde zum Weltunternehmen

Die Erfolgsgeschichte eines der bekanntesten Keramikhersteller der Welt begann im Jahr 1748 mit einer einfachen, aber genialen Beobachtung des François Boch. Der gelernte „bombardier du roi“ (königlicher Geschützgießer) erkannte im lothringischen Deutsch-Oth (Audun-le-Tiche) das Potenzial der heimischen Kalkerde. Seine Überlegung war so schlicht wie wegbereit: Wenn sich aus diesem Material hochwertige weiße Tabakspfeifen fertigen ließen, müsste es auch für die Herstellung von feinem Tafelgeschirr wie Tellern und Tassen geeignet sein.
Sein jüngster Sohn, Peter Josef Boch, setzte diese Vision noch im selben Jahr in einem bescheidenen, strohgedeckten Schuppen in die Tat um. Was als Experiment begann, entwickelte sich schnell zu einem florierenden Unternehmen. Um die Produktion auszuweiten und neue Märkte zu erschließen, siedelte der Betrieb 1767 nach Septfontaines bei Luxemburg über. Im dortigen Rollingergrund entstand eine moderne Manufaktur, die unter dem besonderen Schutz der österreichischen Kaiserin Maria Theresia stand. Diese verlieh dem Werk den Titel einer „Manufacture Impériale et Royale“, was sich fortan auch in der Korrespondenz und dem herrschaftlichen Auftreten der Familie widerspiegelte.
Peter Josef Boch verkörperte diesen Aufstieg par excellence: Zeitgenossen beschrieben ihn als eleganten Herrn in feinen Satingewändern, mit Degen und Perücke. Als „Seigneur de Cessingen“ und Eigentümer der königlichen Manufaktur für Fayence und „Terre de Pipe“ (Pfeifenerde) festigte er den Ruf des Unternehmens. Sein Sohn, Johann Franz Boch, führte diese Tradition später als Dirigent der Fayencerie in Septfontaines fort.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Firmengeschichte folgte schließlich 1836. Um der starken englischen Konkurrenz die Stirn zu bieten, schlossen sich die Familie Boch und ihr damaliger Konkurrent Nicolas Villeroy zusammen. Dieser Zusammenschluss legte den Grundstein für die heutige Weltmarke Villeroy & Boch, die ihre Wurzeln in der lothringischen Kalkerde und dem Pioniergeist einer Handwerkerfamilie hat.
Das Gelände von Septfontaines war offen begehbar
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