Fridolin 6 März
Als Kind oder Jugendlicher erinnere ich mich noch gut an die Schafherden, die damals durch unsere Gegend zogen. Selbst oben auf dem Gau sah man hin und wieder einen Schäfer, der ruhig hinter seiner Herde herging. Heute scheint diese Zeit bei uns vorbei zu sein – als hätte sich ein stilles Kapitel unserer Umgebung geschlossen.
Die Bauernregel „Mit ihren Schafen wieder hin, so zieh’n die Schäfer an Fridolin“ gehört zum 6. März, dem Gedenktag des Heiligen Fridolin, und ist eingebettet in eine Reihe von Wetter‑ und Landbau‑Aussagen, die den Übergang vom Winter in den Frühling markieren.
Bedeutung der Bauernregel mit den Schafen
Der Spruch „Mit ihren Schafen wieder hin, so zieh’n die Schäfer an Fridolin“ bringt zum Ausdruck, dass Anfang März die Schafherden wieder in die Offen‑ oder Weidehaltung kommen oder die Schäfer mit den Tieren ihre Arbeit im Freien wieder aufnehmen. Dies spiegelt die alte Erfahrung wider, dass um den Tag des Heiligen Fridolin die letzten Winterfröste abklingen und die Zeit beginnt, in der Vieh und Mensch wieder länger im Freien sind.
Eng verbunden sind weitere Fridolin‑Bauernregeln wie
„Um den Tag des Fridolin, da zieht der letzte Winter hin.“
„Nach dem Tag des Fridolein, da muss der Pflug auf dem Felde sein.“
Sie zeigen, dass der Tag des Heiligen Fridolin als kalendarischer „Meilenstein“ für Vieh‑ und Landwirtschaft galt: Schafherden wieder ins Freie, beginnende Frühjahrspflugarbeiten und erste Hoffnung auf ein milderes Wetter.
Heiliger Fridolin und seine Bedeutung für Vieh/Schafe
Der Heilige Fridolin, genannt „Fridolin von Säckingen“, gilt als Glaubensbote am Oberrhein und Gründer eines Doppelklosters auf der Rheininsel Säckingen. In der katholischen Verehrung wird er als Patron der Schneider und des Viehs (also auch der Schafe) genannt, was die Verbindung zur Bauernregel erklärt.
Er wird besonders angerufen: gegen Viehseuchen, Feuer‑ und Wassergefahr, Kinderkrankheiten sowie Bein‑, Knie‑ und Armleiden; zudem gilt er als Fürsprecher für „fruchtbares Wetter“, also günstige Witterungsbedingungen für Ackerbau und Weide.
Bedeutung des Tages (6. und 7. März)
Im allgemeinen katholischen Kalender wird Fridolin am 6. März gedacht, als nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet.
Im Bistum Straßburg sowie in weiteren süddeutschen und alemannischen Regionen wird das Gedenken an Fridolin am 7. März gefeiert, was den Tag ebenfalls als „Lostag“ in den Bauernkalendern markiert. An diesem Tag erinnern die Bauernregeln an den Übergang vom Winter zum Frühjahr: „Nach dem Tag des Fridolein, da muss der Pflug auf dem Felde sein.“
An diesem Tag sind in Regionen wie Bad Säckingen jährliche Festgottesdienste, Prozessionen und Volksfeste mit dem Fridolin‑Schrein üblich; darin spiegelt sich seine Bedeutung als Schutzheiliger von Menschen, Vieh und Wetter wider. In der Volksfrömmigkeit wurde der Tag des Heiligen oft mit der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Winters und den Beginn der Frühjahrswirtschaft verbunden – was in der Schaf‑Bauernregel poetisch eingefangen ist.
Schäfer als Wetterbeobachter
Schäfer verbrachten lange Zeit im Freien und lernten, Wind, Wolken, Luftfeuchte und das Verhalten der Schafe zu deuten, bevor es moderne Wetterdienste gab. So gelten Schäfer in der Bauernregel‑Tradition als „natürliche Wetterpropheten“, die sich auf die Reaktion der Tiere und auf Kleinwetter‑Phänomene (z.B. Schäfchenwolken = Hochdruck, gutes Wetter) stützen.

Grafik KI

Saarländischer Bauernkalender 1960ziger Jahre

Saarländischer Bauernkalender 1960ziger Jahre
